|
1
|
- Eine Forschungs- und
Wahrnehmungsreise zum Hörsinn, Teil 1
|
|
2
|
- Die Fähigkeit, Ereignisse zu hören, die wir nicht sehen können, hat bei
Menschen ein wichtige Signalfunktion.
- Das Rascheln kündigt etwas an, der kräftig tönende Wind kündigt ein
Gewitter an, ein aufheulender Motor zeigt mögliche Gefahr auf, Schritte
hinter einem während der Nacht können Angst machen.
- An Schritten erkennt man Freunde und bekannte Menschen. Väter und Mütter
erwachen sofort , fast intuitiv beim Schreien oder auch nur Wimmern
eines Babys.
|
|
3
|
- Hören und Sehen sind komplementäre Funktionen.
- Wir hören oftmals etwas, bevor wir es sehen. Unsere Sehfähigkeit ist
besser als unsere Hörfunktion, jedoch eignet sich die Hörfähigkeit, um
auf sich aufmerksam zu machen und das Objekt anschliessend visuell
identifizieren zu können.
- Eigene Erfahrung:
- Nachts alleine im Wald höre ich Dinge, getraue jedoch nicht, mich ihnen
zu nähern und sie visuell zu identifizieren. Alle möglichen Fantasien
lassen Nachtgeräusche zu. Die visuelle Identifikation fehlt mir für die
Zuordnung, mein auditiver Erfahrungsschatz ist im Wald nicht sonderlich
gut, dies lässt den Fantasien ihren Lauf.
- Tagsüber jedoch erfahre ich den Hörsinn als Erweiterung des
Wahrnehmungsradius (hinter und neben mich ‘schauen‘). Anschliessend mich
visuell zu nähern und es mit einem weiteren Sinn zu rekognoszieren.
|
|
4
|
- Die Aufmerksamkeit und die Realisation der Wahrnehmung im auditiven
Bereich
- Die Umwelt ist voll von Geräuschen und zunehmend lärmbetont. Unsere
Wahrnehmung ist eher visuell orientiert. Auch die visuelle Überflutung
zeigt Auswirkung auf den auditiven Bereich.
- Kontinuierliche Geräusche, wie z.B. das Vogelzwitschern und auch das
Gelernte (Vögel singen, vor allem bei Tagesanbruch) lässt die
Wahrnehmungsfähigkeit diffuser werden. Nur bei differenziertem
morgendlichen Hinhören lässt sich der Zeitpunkt des Endes ‚Vogelzwitschern‘
wahrnehmen.
- Kontinuierliche Geräusche und bis zu einem gewissen Grad auch
Lärmgeräusche (Autos, Geplauder, Verkehr, Glockengeläute) blenden wir
aus. Auf Nachfrage ist es oft eher kognitiv zu beantworten: ‚Die
Kirchenglocken läuten immer um 6.30h bei uns‘.
|
|
5
|
|
|
6
|
- Zuckerbaby
- Nicht mehr ganz taufrisch, viel zu viele Pfunde auf den Hüften und ein
ziemlich eintöniger Job in einem Bestattungsinstitut - Mariannes Leben
fließt so dahin. Eines Tages auf dem Weg zur Arbeit wird sie jedoch
schlagartig von der sonoren Stimme eines U-Bahn Zugführers
wachgerüttelt. Marianne ist fasziniert und setzt alles daran, den Mann
ihrer Träume kennen zu lernen. Die ungewöhnliche Romanze mit ihrem
"Zuckerbaby" verändert ihr Leben...
à Kennen Sie den Film? Exemplarisch für ‚ganz Ohr‘ ;-)
- Ist Ihnen das auch schon passiert? Die Stimme als Beziehungsknüpferin.
Sie hören eine Stimme und lauschen hin, sie ‚verlieben‘ sich in
die Stimme. Sie hören genauer hin, vielleicht sogar, auch wenn Ihnen das
Thema nicht unbedingt zusagt, oder Sie geniessen die Stimme und nehmen
Inhalt des Gesagten gar nicht wahr.
|
|
7
|
|
|
8
|
|
|
9
|
- Lerne den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in der du dich befindest.
- Alle Formen nimmt die Geistlosigkeit an, um sich dahinter zu verstecken:
sie verhüllt sich in Schwulst, in Bombast, in den Ton der Überlegenheit
und Vornehmigkeit und in hundert anderen Formen.
- Manche meinen, wenn sie ein Echo hören, der Ton stamme von ihnen
- Rechtfertigte nicht zudem die Verwandtschaft einen besonders sanften Ton
der Stimme, eine Herzlichkeit der Blicke?
- Wer nur eine Glocke hört, hört nur einen Ton.
- So wie etwas ausgesprochen ist, wird ihm auch schon widersprochen, wie
der Ton gleich sein Echo hat.
- Übrigens gestehe ich - es bleibt aber unter uns - dass der Ton, welcher
jetzt unter unsern ganz jungen Leuten ziemlich allgemein an Höfen und in
der feinen Welt eingeschlichen ist, mir gar nicht so gefallen will wie
der, welcher vor etwa zwanzig Jahren herrschte.
|
|
10
|
|
|
11
|
|
|
12
|
- Lauschen, eine Definition:
- Lauschen ist bewusstes Mithören von Geräuschen oder Gesprächen.
- Positiv
- Der Musik lauschen
- Naturgeräusche lauschen
- Konzentriertes Hören ist Lauschen
- Negativ
Lauschangriff (Abhören)
- Hören sagen (Gerüchte)
|
|
13
|
- Unkritisch wird oft behauptet, dass das Ansprechen mehrerer Sinne besser
motiviere und zu einem größeren Lernerfolg beitrage. Zum Beispiel
Bilder, Filme und ähnliches verbessern das Behalten und Verstehen von
Informationen und steigern durch die abwechslungsreiche Gestaltung die
Lernmotivation.
Bei auditiven Texten ist Tempo und Zeit zur Aufnahme und
Verarbeitung der Informationen oft vorgegeben. Bei auditiven Texten ist
die Darbietungsgeschwindigkeit zirka 120-150 Wörter pro Minute.
- Die auditive Rezeption erfordert einen andauernden und stetigen
Aufmerksamkeitspegel. Dies ist besonders belastend, der
Aufmerksamkeitspegel sinkt somit früher ab.
- Kurzauszug aus ‘Auditive und visuelle Texte‘ von Klaus Stiller
|
|
14
|
- Aspekte auditiver Aufmerksamkeit
- Unsere Wahrnehmung verschafft uns Zugang zur äusseren, nicht-subjektiven
Umwelt, die gefüllt ist mit physikalischen Parametern
unterschiedlichster Art. Die meisten entziehen sich jedoch unserer
Wahrnehmung. Sie sind zwar mittels technischer Apparaturen in unsere
›Tonlage‹ transponierbar, doch unmittelbar bemerken können wir sie
nicht. Solche für unser Sensorium unpassenden Parameter bedürfen eines
geeigneten Empfängers, wie er bei anderen Lebewesen gefunden werden
kann. Die Spezialisierung auf ganz bestimmte Reizumwelten (z.B.
unterschiedliche Frequenzbereiche und Wellenlängen) erlaubt erst die
gleichzeitige Existenz der verschiedenen Arten. Wir Menschen nehmen nur
einen Bruchteil der ›herumschwirrenden‹ Informationen wahr. „Wahrnehmung
kann grundsätzlich nur diejenigen Merkmale von Dingen und Prozessen
erfassen, die aufgrund physikalischer Eigenschaften bestimmte
Sinneszellen erregen. (…)
gehörter Text von vorheriger Seite
|
|
15
|
- ‘Augen sind genauere Zeugen als Ohren‘
- Heraklit von Ephesus
- “Seit der Erfindung des Buchdrucks wird Wissen in erster Linie über das
Auge erworben. Unsere Umwelt ist akustisch und visuell
überversorgt. Die Sinne verstehen
sich aufs zensurieren, Ausschlagen oder Ausblenden.
- In der Musik können die Zuhörer.innen schnell einmal ein Urteil fällen,
ob das Gehörte als harmonisch empfunden wird.
- Dagegen macht sich grosse Unsicherheit breit, wenn bei
Farbzusammenstellungen ähnliche Beurteilungen erforderlich werden.“
- aus Farbhunger
Peter Jenny, Prof. für bildnerisches Gestalten, ETH Zürich
|
|
16
|
|
|
17
|
- Auflösung von Seite 9
- Lerne den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in der du dich befindest.
Adolph Freiherr von Knigge
- Alle Formen nimmt die Geistlosigkeit an, um sich dahinter zu verstecken:
sie verhüllt sich in Schwulst, in Bombast, in den Ton der Überlegenheit
und Vornehmigkeit und in hundert anderen Formen.
Arthur Schopenhauer
- Manche meinen, wenn sie ein Echo hören, der Ton stamme von ihnen.
Ernest Hemingway
- Rechtfertigte nicht zudem die Verwandtschaft einen besonders sanften Ton
der Stimme, eine Herzlichkeit der Blicke?
Honoré de Balzac
- Wer nur eine Glocke hört, hört nur einen Ton.
Honoré de Balzac
- So wie etwas ausgesprochen ist, wird ihm auch schon widersprochen, wie
der Ton gleich sein Echo hat.
Johann Wolfgang von Goethe.
- Übrigens gestehe ich - es bleibt aber unter uns - dass der Ton, welcher
jetzt unter unsern ganz jungen Leuten ziemlich allgemein an Höfen und in
der feinen Welt eingeschlichen ist, mir gar nicht so gefallen will wie
der, welcher vor etwa zwanzig Jahren herrschte.
Adolph Freiherr von Knigge.
- Auflösung von Seite 10
- Auf Platz eins landete das Geräusch eines Menschen, der sich übergibt.
Das Ergebnis kommt für Cox nicht überraschend: Er hatte erwartet, dass
Geräusche, die Ekel auslösen, eine Spitzenposition einnehmen würden‘
|
|
18
|
- Literatur
- Psychologie, Philipp G. Zimbargo und Richard J. Gerrig, Pearson Studium,
16. aktualisierte Auflage, 2004
- Wahrnehmungspsychologie, E. Bruce Goldstein, deutsche Ausgabe von Hans
Irtel,
7. Auflage 2007, Spektrum Akademischer Verlag
- Allgemeine Psychologie, eine Einführung, Christian Becker-Carus, 1.
Auflage 2004, Spektrum Akademischer Verlag
- Lyrikband ‘Falken, flügge‘ von Fee Katrin Kanzler, 1981, Hagenlocher
Verlag
- ‘Farbhunger‘ Texte und Bilder zur Aufhebung der Gewaltenteilung zwischen
Wort und Farbe,
Peter Jenny, 1994, ETH Zürich, Zürich Verlag der
Vereine/Stuttgart
(Peter Jenny gehört zu den bedeutendsten Pädagogen in seinem
Fach. Seit 1969 ist er in der Lehre tätig, 1977 wurde er als Professor
für gestalterische Grundlagen an die ETH in Zürich berufen.)
|
|
19
|
- Links im Laufe der Recherche
- http://www.linguatec.net/onlineservices/voice_reader/site der
Voice-Reader
- http://www.earaction.de/ was ist laut, Selbsttest und Informationen
- Ton/Klang http://www.laermorama.ch/laermorama/modul_akustik/tonklang_w.html#tonklang
- Raumakustik http://www.laermorama.ch/laermorama/modul_akustik/raumakustik_v.html
- ein Lärmorama http://www.laermorama.ch/laermorama/hoerkiste/index-hk.html,
- http://bidok.uibk.ac.at/library/salmon-dipl-hoerbeeintraechtigung.html
Arbeit mit hörbeeinträchtigten Kindern
- Zeitschrift für Angewandte Linguistik (ZfAL, 27. 1997, S. 5-39), Astrid
Paeschke/Walter F. Sendlmeier / Die Reden von Rudolf Scharping und Oskar
Lafontaine auf dem Parteitag der SPD im November 1995 in Mannheim - Ein
sprechwissenschaftlicher und phonetischer Vergleich von Vortragsstilen
- Stiftung Zuhören, zu einem Download Gratis der Stiftung, Handbuch mit
Lern- und Lehrmaterialien, ausgezeichnet, mit vielen methodischen Tipps.
- Das Woxikon, eine Sammlung von Redensarten
Vernetzung zu lernundenter:
- Bisherige Wortreisen http://www.lernundenter.com/downloads.htm
- Zyklus Wahrnehmung von lernundenter:
http://www.lernundenter.com/interaktion/newsletters/Beobachten_14.pdf
http://www.lernundenter.com/interaktion/newsletters/newsl_37.pdf
http://www.lernundenter.com/interaktion/newsletters/Newsletter_39.pdf
|