Glossar zu Patientenedukation / Patientenkompetenz
Adhärenz
(Adherence) | autonomer
Patient | benevolenter
Paternalismus | Blunters oder
Blunting | Compliance - NonCompliance | Cyberchondriacs | Empowerment | e-Health | e-Patienten | Gesundheitsberatung | Gesundheitssurfer | Health
Belief Model | informed
consent | informelles
Lernen | Kompetenz | Konkordanz | «Monitors» oder «Monitoring» | partizipative
Entscheidungsfindung | Paternalismus | Patient | Patientenedukation | Patientenkompetenz | Patientenpartizipation |
Podcast | Salutogenese | Shared
decisions making
Adhärenz
- 1. Adherence (engl. für Festhalten, Befolgen), im Deutschen auch
Adhärenz, bezeichnet in der Medizin die Einhaltung der gemeinsam
von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele. Der Begriff ersetzt im
angelsächsischen Sprachraum zunehmend den Begriff Compliance (engl.
für Einverständnis, Einhalten, Willfährigkeit, Fügsamkeit)
in der Medizin. ... 59
- 2. Adhärenz kann als Modell einer partnerschaftlichen Beziehung
zwischen Arzt und Patient, in deren Zentrum die Therapiemotivation steht,
verstanden werden. Die Therapiemotivation beinhaltet die Möglichkeit
einer freien Wahl und die Anerkennung einer mit dem Therapeuten auf Gegenseitigkeit
beruhenden Beziehung bei der Planung und Durchführung der Behandlung
(Meichenbaum/Turk 1987) 11 S.
12
- 3. Therapiemotivation - Adherence - aktive Beteiligung des Patienten
am Prozeß der Gesunderhaltung und Krankheitsbewältigung. Entgegen
der mit Compliance ausgedrückten Hoffnung auf passives Befolgen
von Arztanweisungen wird mit Adherence die vom Patienten gesteuerte Auswahl
unter geeigneten gesundheitsförderlichen und -wiederherstellenden
Strategien und Verhaltensweisen betont. Adherence unterstützt insbesondere
die selbstkontrollierte Bewältigung chronischer Krankheiten im individuellen
psychosozialen Kontext. 57.
autonomer Patient /Autonomie
- 1. Freiheit gewährendes, das Selbstbestimmungsrecht des Patienten
berücksichtigendes Therapeutenverhalten.
- 2. Die Fähigkeit, eigenständig und selbstverantwortlich Entscheidungen
zu treffen und entsprechend diesen Entscheidungen zu handeln. Die Forderung
nach Autonomie gilt im Grundsatz für alle Beteiligten am Entscheidungsprozeß.
Autonomie enthält folgende Komponenten: Fähigkeit, unabhängig
und selbständig für sich und hinsichtlich der konkreten Entscheidung
zu denken; Handlungsoptionen bewerten zu können; fähig sein,
Entscheidungen treffen zu können und die Folgen der getroffenen
Entscheidungen angemessen beurteilen zu können. Die individuelle
Autonomie ist kein statisches Merkmal, sie kann in den verschiedenen
Lebensstadien unterschiedlich ausgeprägt sein, sie kann in der Zeit
variieren und ist abhängig vom Status des Betroffenseins eines Beteiligten.
Probleme in Forschung und Behandlung stellen die Asymmetrie hinsichtlich
der Folgen für die Beteiligten, das Ausmaß des Betroffenseins
von Krankheit, sowie Risiko, Nutzen und Unklarheiten über das Vorhandensein
der genannten Fähigkeiten dar. Die Autonomie des Einzelnen ist in
westlichen Kulturen ein besonders hohes Gut, das nur in Ausnahmefällen
eingeschränkt werden darf. 57
benevolenter Paternalismus
- Der benevolente Paternalismus ist durch ein hohes Mass an Asymmetrie
in der Arzt-Patienten-Beziehung gekennzeichnet. 11 S.
11,12.
Blunters oder Blunting
- 1. ... In ähnlicher Weise beschreibt Miller (1980) mit den Begriffen
Monitoring und Blunting zwei diametrale Dimensionen der Informationsverarbeitung
in Belastungssituationen. Monitoring ist die Tendenz, sich Informationen über
die Belastungssituation zu verschaffen und zu nutzen. Blunting bezeichnet
die Fähigkeit, sich von gefahrenrelevaten Reizen kognitiv abzulenken... 18
- 2. Langzeitstudien gingen davon aus, dass je ausführlicher ein
Patient vor einer Rückenoperation informiert ist, desto besser gestaltet
sich die postoperative Phase. Diese Resultate wurden durch das Wissen
um Blunting und Monitoring widerlegt. 19
- 3. Während einer Studie in einem Blutspendezentrum wurden vor
der Blutentnahme Fragebogen verteilt, um den Coping-Stil der Betroffenen
zu erfahren und die Information entsprechend anzupassen. 20
Compliance / NonCompliance
- Abweichen/Nicht-Befolgung von ärztlichen Anordnungen, Therapietreue:
denn der Begriff der Compliance bezieht sich ebenso auf das Verhalten
des Arztes, insbesondere auf seine Bereitschaft, therapeutische Anweisungen
und Strategien auf die Möglichkeiten und Wünsche des Patienten
abzustimmen. 11 S.
2+3. Der Begriff Compliance wird heute durch den Begriff Adhärenz
ersetzt: siehe Adhärenz
Cyberchondriacs
- gemeint sind mit dem neuen Begriff hypochondrische Ängste, die
durch das ständige Stöbern in Gesundheitswebsites im Internet
geschürt werden. 52
Empowerment
- eine Arbeitsdefinition: Der Begriff «Empowerment» bedeutet
Selbstbefähigung und Selbstbemächtigung, Stärkung von
Eigenmacht, Autonomie und Selbstverfügung. Empowerment beschreibt
mutmachende Prozesse der Selbstbemächtigung, in denen Menschen in
Situationen des Mangels, der Benachteiligung oder der gesellschaftlichen
Ausgrenzung beginnen, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen,
in denen sie sich ihrer Fähigkeiten bewußt werden, eigene
Kräfte entwickeln und ihre individuellen und kollektiven Ressourcen
zu einer selbstbestimmten Lebensführung nutzen lernen. Empowerment
- auf eine kurze Formel gebracht - zielt auf die (Wieder) Herstellung
von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Alltags. 53
e-Health
- Im weiteren Sinne umschreiben wir eHealth mit jenen Bereichen und Prozessen
im Gesundheitswesen und in der Medizin, die auf Internet-Technologie
zurückgreifen. Dies mit dem Ziel, Informationen besser verfügbar
zu machen, Prozesse effizienter zu gestalten und damit die Kosten zu
senken und/oder die Qualität zu erhöhen. Alle wesentlichen
Akteure des Gesundheitswesens sind betroffen'. Definition eHealth von
Michael Egli. 70
e-Patienten
- «e» für «elektronisch».
Beispiele: e-Mail, eLearning, e-Book usw.
- den Konsumenten durch Aufklärung, Information und Beratung in
die Lage zu versetzen, bei der Entscheidung über die Inanspruchnahme
von Gesundheitsleistungen mitzuwirken. Gesundheitsberatung versucht die
Idee der Kundenorientierung auch im Gesundheitswesen zu etablieren. Dabei
soll der Kunde durch Information und Beratung so weit wie möglich
befähigt werden, bei der Befriedigung seiner Gesundheitsbedürfnisse
mitzuentscheiden S.19 und S. 20: Gesundheitsberatung
kann [...] als eine professionelle Beratung verstanden werden, die sich
auf Gesundheitsthemen und -probleme bezieht und das Ziel hat, über
psychologische und soziale Veränderungsmethoden Krankheiten zu verhindern,
Gesundheit zu fördern und die Bewältigung einer Krankheit zu
unterstützen. 2
Gesundheitssurfer
- Nutzer der internetgestützten Gesundheitsberatung. Sie werden
in der Literatur unterschiedlich benannt: auch E-Patienten,
Cyberchondriacs, Online-Patienten. 2
S. 5.
Health Belief Model
- Psychologisches Modell des Gesundheitsverhaltens, wonach eine präventive
Maßnahme dann ergriffen wird, wenn man sich persönlich gefährdet
sieht, ernsthafte Konsequenzen einer Erkrankung erwartet, von der Effektivität
präventiver Maßnahmen überzeugt ist und eine präventive
Maßnahme nur geringe Schwierigkeiten mit sich bringt. 57
informed consent
- Einwilligung nach ausführlicher Aufklärung. 57
informelles Lernen
Kompetenz
- v. lat. competere - zusammentreffen bezeichnet die Fähigkeit (psychologisch)
und ist juristisch gleichbedeutend mit der Zuständigkeit eines Menschen
(oder eines Organs), bestimmte Aufgaben selbständig durchzuführen. 57
Konkordanz
Monitors oder Monitoring
partizipative Entscheidungsfindung
- ein interaktiver Prozess zwischen Patient und Arzt mit dem Ziel, unter
gleichberechtigter und annähernd gleichgewichteter Beteiligung beider
und auf der Basis geteilter Informationen zu einer gemeinsamen verantworteten Übereinkunft
zu kommen. Die so gewonnene Übereinkunft wird als Konkordanz bezeichnet
(Klemperer 2003) in 11 S.
12.
Paternalismus
- 1. entstammt der lateinischen Sprache und bedeutet väterlich.
Damit wird eine Herrschaftsordnung beschrieben, die im ausserfamiliären
Bereich ihre Autorität und Herrschaftslegitimierung auf eine vormundschaftliche
Beziehung zwischen Herrscher/ Herrschern und den Herrschaftsunterworfenen
begründet. 59
- 2. im medizinischen / ethischen Bereich - Absichtliches Handeln und
Entscheiden gegen den Willen bzw. die Entscheidungen des Patienten, aber
allein zu dessen vermeintlichem Wohlergehen. Als harten, starken oder
echten Paternalismus versteht man ein solches Handeln allerdings nur
dann, wenn der Patient zu wirklich autonomen Entscheidungen gekommen
ist bzw. hätte kommen können. Bei solchen Patienten hingegen,
die genau dazu nicht in der Lage sind (z.B. Kinder, bewußtseinsgestörte
oder bewusstlose Patienten) ist der dann erfolgende weiche Paternalismus
oft unumgänglich und ethisch absolut geboten. 8
Patient
- 1. Mensch, der an einer Krankheit oder an den Folgen eines Unfalls
leidet und sich deswegen behandeln lässt. Das Wort entstammt dem
Lateinischen (pati: erleiden, erdulden; passio: das Leiden) und bedeutet
demnach der Leidende / Erduldende. In einigen psychotherapeutischen und
sozialen Behandlungsverhältnissen wird der Begriff des Klienten
(lat. cliens: der Schutzbefohlene) bevorzugt. In gewissen Institutionen
spricht man von Kunden oder von Leistungsempfängern. 59
- 2. Weitere Begriffe für «Patient»: Laie, Versicherter,
Konsument, Kunde, Verbraucher, Nutzer, Bürger. 2 S. 23.
Patientenedukation
- 1. jede Kombination von Lernerfahrung, die Personen bei Verhaltensveränderungen
unterstützt, welche Gesundheit fördern. übersetzt aus: 1.
- 2. Weshalb der Begriff Patienten-Edukation? «Patienten-Edukation
wird trotz des kritischen Begriffes «Patient» übernommen,
weil diese Bezeichnung international gebräuchlich und in pflegewissenschaftlicher
Literatur ein etablierter Begriff ist». 3
Patientenkompetenz
- die Fähigkeit des Patienten, sich den Herausforderungen der Erkrankung
zu stellen, sich auf die eigenen und fremden Ressourcen zur Krankheitsbewältigung
zu besinnen, diese Ressourcen zu nutzen, dabei auch persönliche
Bedürfnisse zu berücksichtigen, eigene Zielvorstellungen zu
verfolgen und, Autonomie zu wahren. Quelle:
Nagel G. et. al.: Patientenkompetenz. Deutsche Zeitschrift für Onkologie
36 110 - 117 ( 2004), online: 7.
Patientenpartizipation
Podcast
- Ein Podcast sind zweierlei Dinge. Zum Einen wird
damit eine Datei (ein RSS-Feed) bezeichnet, die sich mit Hilfe von
Software mittels eines Abonnements automatisiert aus dem Internet
herunterladen läßt. Zum Anderen werden damit die Mediendateien
(v.a. Audio, Video) bezeichnet, die im RSS-Feed verlinkt sind. Ein
Podcaster ist derjenige, der Podcasts produziert und ins Netz stellt.
60.0
Salutogenese
- Gesundheitsentstehung, von salus, lateinisch: Gesundheit, Heil, und
genesis, griechisch: Werden, Entstehen. Der Begriff wurde 1979 von Aaron
Antonovsky geprägt. Dieser stellte die «salutogenetische Frage»:
Warum und wie bleibt jemand trotz verschiedener krankheitsverursachender
Einflüsse gesund? In der Antwort darauf spielen die personalen und
sozialen Ressourcen zur Stressbewältigung eine wichtige Rolle, also
Kräfte, welche die Fähigkeit des Individuums fördern,
mit den körperlichen und psychosozialen Belastungen des Lebens erfolgreich
umzugehen. 60
Shared decisions making
- bezeichnet eine Form der Arzt-Patient-Kommunikation, die auf Interaktion
basiert und zum Ziel hat, den Wunsch des Patienten nach Beteiligung an
Entscheidungen über sein Gesundheitsproblem zu realisieren. Arzt
und Patient kommunizieren auf einer partnerschaftlichen Ebene über
die objektiven und subjektiven Aspekte einer anstehenden Entscheidung
zwischen zwei oder mehr Optionen, wobei einer der Optionen stets beobachtendes
Zuwarten sein kann. 9