News 69 - transkulturell lernen und lehren
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Jens Friebe, Michaela Zalucki (Hrsg.) (2003, 174 Seiten). Abstract:
Fragen der Interkulturalität bestimmen zunehmend das Berufsfeld Pflege und Gesundheit: Migrant/inn/en verbleiben auch im Alter in Deutschland und nehmen vermehrt Gesundheits- und Pflegedienstleistungen in Anspruch. Zudem ist die Zahl der im Berufsfeld tätigen Pflegekräfte beständig gestiegen. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich ein neuer Bildungsbedarf, der sowohl in der Erstausbildung als auch in Fortbildungen für das Pflegepersonal künftig stärker zu berücksichtigen ist. Hierzu liefern die in diesem Band zusammengestellten Beiträge wertvolle Anregungen. Neben theoretisch-konzeptionellen Überlegungen werden Ansätze für interkulturelle Qualifizierungskonzepte im Pflegebereich geliefert.
Jens Friebe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) im Programm ‹Lehre in der Weiterbildung›. Michaela Zalucki war wissenschaftliche Mitarbeiterin des DIE im Projekt ‹Interkulturelle Fortbildung für das Personal in der Altenpflege› [iku:]
lernundenter: empfehlenswert, ausführliches Dossier, fundiert, ausgezeichnete innere Führung durch das Inhaltsverzeichnis.
Migrantinnen und Migranten fordern uns Professionelle (Sozialarbeiter, Psychologinnen, Schulische Heilpädagogen, Polizisten, Medizinerinnen, Pflegende etc.) heraus, manchmal mehr, als es uns allen lieb wäre. In der interkulturellen Praxis und Forschung legen wir gewöhnlich unsere Aufmerksamkeit auf die Migranten selber. Wir stellen dann rasch Probleme und Defizite ‹der Ausländer› fest und befassen uns mit ‹ihren› Zugangsbarrieren zu den öffentlichen Diensten oder Privatpraxen. Über unsere Zugangsbarrieren zu ihnen, über unsere nicht immer adäquaten Verfahren der Problemlösung und Techniken der Beratung denken wir viel weniger nach. Das möchten wir hier nachholen, damit die in der Praxis erlebten Situationen des Scheiterns und der Insuffizienz verwandelt werden – in Neugier, mehrperspektivisches Denken und Handeln und interkulturelle Kompetenz.
Der Autor stellt die Frage nach einem ‹Kulturschock bei Professionellen›, wenn Migrantinnen und Migranten als diffuse Bedrohung wahrgenommen werden, weil sie die eigene professionelle und persönliche Identität in Frage stellen, wenn wir eine bestimmte Problemmanifestation nicht einordnen können und somit auch keine Lösungsansätze erkennen
Sehr interessant sind die Ausweich-Strategien wie Projektionen, Machtmanifestationen, Blockaden und Rückzug, Formalismus, Rationalisierung, Pathologisierung (jeweils mit einem Beispiel). Er definiert Interkulturelle Kompetenz in psychosozialen Berufen gestützt auf das Meilener Konzept (im Artikel kurz erklärt). Weiter erklärt er Hürden auf dem Weg zur interkulturellen Kompetenz: Sterotype und Vorurteile, Ethnozentrismus, Theoretische Modelle und Techniken / Verfahren, die wir selbst in der Ausbildung gelernt haben. Nicht mehr tun, sondern anders - also neu. Dazu gibt der Autor konkrete Anregungen. Er schliesst mit einem Fazit und der Aufforderung zur Bereitschaft, sich als Therapeut, Beraterin verunsichern zu lassen. Dazu erzählt er eine Zen-Geschichte: (aus Senzaki & Reps: 101 Zen Stories, Original 1957):
Nan-in, ein japanischer Meister aus der Zeit Meiji (1868-1912) erhält von einem Universitätsprofessor Besuch, der ihn über Zen ausfragen möchte. Nan-in serviert den Tee. Er füllt die Tasse seines Gastes schenkt aber weiterhin ein. Der Professor sieht schon den Tee überlaufen und er kann sich nicht mehr beherrschen. ‹Es ist bis zum Rand gefüllt. Es geht nichts mehr hinein.› ‹Wie diese Tasse›, sagt Nan-in, ‹bist du bis zum Rand gefüllt von deinen Meinungen und Vermutungen. Wie kann ich dir Zen erklären, wenn du nicht vorher deine Tasse leerst?›
Artikel als PDF: Interkulturelle Kompetenz in psychosozialen Berufen PDF 414 KB. Zen Story in Englisch A Cup of Tea in 101 Zen Stories
lernundenter: Prof. Andrea Lanfranchi fokussiert in seinem Beitrag (publiziert in Psychoscope, 8 (27), 12-14) auf die TherapeutInnen. Beim Lesen der Beispiele aus dem Begegnungsalltag, den Fragen ertappt man/frau sich schnell: ‹Genau, so erging es mir auch schon, so hilflos und ambivalent fühlte ich mich. Ich hätte die Begleitung lieber an einen Migrationsspezialisten, eine Sprachkundige, abgegeben›. Ausweich-Strategien bei sich und in der Organisation zu identifizieren, ist zentral. Die praktischen Beispiele sind sehr hilfreich.
Berufspraktikum beim Nachbarn, Deutsch-Französisch-Schweizerische Oberrheinkonferenz - Conference Franco-Germano-Suisse du Rhin superieur. Auszug aus der Begrüssungsseite:
Fit für Europa, Berufspraktikum beim Nachbarn: Euregio-Zertifikat. Europa wächst zusammen, so auch die drei Länder am Oberrhein. Wirtschaftsprozesse werden zunehmend international – deshalb werden interkulturelle Bildung und Qualifikationen immer wichtiger.
Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrungen sind dabei zu einem unverzichtbaren Bestandteil geworden. Darum bietet das Projekt ‹Euregio-Zertifikat› allen Auszubildenden und Berufsschülern aus der Oberrheinregion die Chance, während der Ausbildung ein mindestens vierwöchiges berufliches Auslandspraktikum zu absolvieren. Ziel des Projektes ist es, dass möglichst viele Auszubildende am Oberrhein berufliche Erfahrungen im grenznahen Ausland sammeln können und viele Ausbilder/innen durch die Teilnahme am Projekt interkulturell qualifiziert werden.
Wie weit (geographisch) das Projekt am Oberrhein möglich ist, ersieht man/frau gut auf der Karte. Die Site gibt es in deutsch und französisch.
lernundenter: ein zukunftsgerichtetes Angebot, sinnvoll auch für die Anwerbung von Auszubildenden und Studierenden der Sozialberufe.
Gesundheit für Migranten und Migrantinnen in der Schweiz. migesplus hat das Ziel, MigrantInnen in der Schweiz einen chancengleichen Zugang zu Gesundheitsinformationen zu ermöglichen. Sie sollen in ihrem verantwortungsbewussten, gesundheitsgerechten Verhalten gefördert und in der sachgerechten Nutzung des Gesundheitssystems unterstützt werden. migesplus bietet eine Übersicht der wichtigsten mehrsprachigen Broschüren, Videos und anderen Materialien mit Gesundheitsinformationen an. migesplus richtet sich an Fachpersonen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich, die mit MigrantInnen arbeiten. Durch den Einbezug des erhältlichen Informationsmaterials sollen deren Kompetenzen gegenüber der Migrationsbevölkerung erweitert und gestärkt werden. migesplus leistet einen wertvollen Beitrag zur wirksamen Gesundheitsförderung der MigrantInnen in der Schweiz.
Themenschwerpunkte sind: Kind und Gesundheit, Frau und Gesundheit, Genuss und Sucht, Liebe und Sexualität, Psyche und Krise, Gesundheit und Prävention, Gesundheit und Versorgung. Beispiel: der Gesundheitwegweiser, eine Broschüre zum Download oder zum Bestellen, übersetzt auf deutsch, japanisch, arabisch, türkisch, portugiesisch, tamilisch, albanisch, spanisch, englisch, französisch, farsi, russisch, somalisch,serbisch, kroatisch, bosnisch, vietnamesisch, urdu, thai.
Der Gesundheitswegweiser soll in der Schweiz lebenden Menschen – insbesondere Migrantinnen und Migranten – helfen, sich im schweizerischen Gesundheitssystem zurecht zu finden. Er gibt Auskunft zur medizinischen Versorgung und erklärt wichtige Gesetze und Regelungen, wie die Kranken- oder Invalidenversicherung. Er erklärt die Spezialisierungen der FachärztInnen und gibt Informationen zu verschiedenen Fragen wie zum Beispiel Dolmetschen, Besuche im Spital, Geburt etc.
migesplus strebt die Einführung eines Qualitätssiegels für Informationsmaterialien im Bereich Migration und Gesundheit an.
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